St. Dionysius Elsen im Pastoralverbund Elsen-Wewer

Sakrament der Buße

Gelegenheit zum Empfang des Sakramentes der Versöhnung besteht normalerweise samstags nach der Vorabendmesse um 18:00 Uhr. Vor Ostern und Weihnachten werden zusätzliche Termine angeboten. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, mit Priestern besondere Zeiten abzusprechen.

Sakrament der Buße ©Sarah Frank/pfarrbriefservice.de

©Sarah Frank/pfarrbriefservice.de


Das Sakrament der Buße und der Versöhnung

Der Ruf zur Umkehr und die Bereitschaft, diesem Ruf zu folgen, gehören in die Mitte der biblischen Botschaft. Schuld und Sünde werden in der Bibel nicht verharmlost oder gar verschwiegen, sondern ernst genommen und im Blick auf Gottes Güte betrachtet, die Vergebung schenkt. Dieser Glaube an einen Gott, der barmherzig ist und Schuld vergibt, ist eine der stärksten Klammern zwischen den beiden Teilen der Heiligen Schrift, dem Alten und dem Neuen Testament.
Das christliche Doppelgebot fordert uns auf, Gott und die Menschen zu lieben (vgl. Mt 22,37-39). Im tagtäglichen Leben bleibt es aber nicht aus, dass wir diesem Anspruch Jesu nicht gerecht werden: Aus Nachlässigkeit, Trägheit oder gar mit vollem Bewusstsein schaden wir anderen und uns selbst und setzen uns so in Gegensatz zum Heilswillen Gottes.
Trotz zahlreicher Erkenntnisse und Erklärungsversuche in unserer Gesellschaft tun sich Menschen schwer im Umgang mit Schuld und Versagen. Sie erfahren: Keiner kann vor der Schuld fliehen und keiner sich selbstvergeben.
Es ist bedrückend, sich die Folgen eigener Schuld vor Augen zuführen: den Schaden bei sich selbst, bei den Mitmenschen, an Gottes Schöpfung, an der nächsten Generation. Auf der anderen Seite liegt eine große Chance darin, persönliches Versagen zu erkennen und einzugestehen und damit Verantwortung für sich selbst und andere zu übernehmen. Oft genug spüren wir jedoch, dass es bei allem guten Willen nicht gelingt, mit uns selbst ins Reine zu kommen und dass wir Hilfe brauchen. Ein afrikanisches Sprichwort fasst diese Erfahrung zusammen: „Das Wort, das dir hilft, kannst du nicht dir selber sagen.”
Die Heilige Schrift erzählt von Menschen, denen ein solches Wort der Vergebung in ihrer Schuld zugesprochen und somit ein Neuanfang ermöglicht wurde. Ein prominentes Beispiel ist König David, der den Urija in den Tod schickte, um dessen Frau Batseba zu besitzen (vgl. 2 Sam 11-12). David gestand seine Schuld ein – der Herr vergab ihm seine Sünde. Die Ehebrecherin, die auf frischer Tat ertappt worden war und gesteinigt werden sollte (vgl. Joh 7,53-8,11), erfuhr Barmherzigkeit ebenso wie Petrus, der Jesus verleugnete (vgl. Mt 26, 70-75), und der reuige Schächer am Kreuz (vgl. Lk 23,39 —43).

Die Bibel bietet uns Wege an, mit Schuld umzugehen. Im Gleichnis vom ‚Barmherzigen Vater’ (vgl. Lk 15,11-32) heißen die Stationen: In-sich-Gehen, Einsicht, Reue, Umkehr, Vergebung, neues Leben. Es ist die Liebe des Vaters, es ist Gottes Liebe, die uns Vergebung schenkt, denn er hat uns durch seinen Sohn mit sich versöhnt (vgl. z Kor 5,18f).
Allen Beispielen von Umkehr und Vergebung gemeinsam ist das zuerst von Gott ausgehende Handeln, auf das Menschen vertrauen dürfen. Durch das Wirken des Heiligen Geistes und den Dienst der Kirche bleibt das Versöhnungswerk Gottes gegenwärtig und erfahrbar. Im Vertrauen auf seine Liebe und Barmherzigkeit kann ich mich im Spiegel der Botschaft Jesu anschauen, den Ruf zur Umkehr ver.-nehmen und mein Leben neu ausrichten. Es ist für Christen eine lebenslange Herausforderung und Aufgabe, sich auf den Weg der Nachfolge Jesu zu begeben und diesen Weg immer neu zu suchen.

Sünde und Schuld
Der Glaubende entdeckt in der menschlichen Schuld eine Dimension, die einem Nichtglaubenden verborgen bleibt: dass sie dem Heilswillen Gottes zuwiderläuft, ja von dieser Quelle des Lebens abschneidet. Das Wort ‚Sünde’ bringt diese Seite der Schuld zum Ausdruck.
Wo das Gebot, Gott und die Menschen zu lieben, nicht beachtet wird, spricht die Bibel von Sünde. In der Tradition der Kirche haben sich Unterscheidungen herausgebildet, die es ermöglichen, verantwortlich mit der Sünde umzugehen und der je eigenen Situation gerecht zu werden: Die alltäglichen (‚lässlichen’) Sünden beeinträchtigen das Leben mit Gott, sie stören die Beziehung zu den Mitmenschen, schmälern die Aufmerksamkeit für Gottes Schöpfung und schwächen die Lebensgemeinschaft und die Zeugniskraft der Kirche. So bleiben Christen hinter ihrer Taufberufung zurück. Die Vergebung dieser Sünden wird uns von Gott in vielfacher Weise geschenkt: in persönlichen Zeichen der Reue und Umkehr, durch die Mitfeier und den Empfang der Eucharistie, durch das Hören und Meditieren des Wortes Gottes, in der Bußfeier und besonders im Bußsakrament.
Durch eine schwere Sünde entfremdet sich der Christ von sich selbst und den Mitmenschen. Er trennt sich von der Gemeinschaft mit Gott und der Kirche und schließt sich von der eucharistischen Mahlgemeinschaft aus. Um in die Lebensgemeinschaft der Getauften zurückzukehren, bedarf es der persönlichen Beichte im Bußsakrament. Für die Schwere der Sünde sind drei Merkmale ausschlaggebend: das Maß der Entscheidungsfreiheit (War ich frei in meinem Willen?), die Klarheit der Erkenntnis (War ich mir des sündhaften Handelns bewusst?) und die Gewichtigkeit der Sache (Ging es um eine Sache von großer Bedeutung?). Bei lässlichen Sünden sind Freiheit oder klare Erkenntnis eingeschränkt oder es liegt ein weniger wichtiger Sachverhalt vor. Aber auch diese Sünden können uns ernsthaft von Gott und den Menschen entfremden.
Wie tief auch jemand in Sünde und Schuld gefangen ist, Gottes Erbarmen und Liebe umfangt ihn schon immer, ruft zu Erneuerung und Umkehr und schenkt Vergebung und Versöhnung.

Schritte der Buße und Versöhnung

Unser Leben entwickelt und verändert sich innerhalb bestimmter, oft längerer Zeiträume und Phasen. Auch Umkehr ist nicht statisch, sondern ein dynamischer Prozess, der sich in mehreren Schritten entfaltet:

Erforschung des Gewissens
Wenn ich mein Gewissen erforsche, nehme ich eine Standortbestimmung vor, die Klarheit über mein Tun und Lassen, über meine Motive und Ziele gibt. Ich horche auf mein Innerstes und spüre der Stimme in mir nach, der Stimme meines Gewissens. Denn „im Inneren seines Gewissens entdeckt der Mensch ein Gesetz, das er sich nicht selbst gibt, sondern dem er gehorchen muss und dessen Stimme ihn immer zur Liebe und zum Tun des Guten und zur Unterlassung des Bösen anruft. ( … ) Das Gewissen ist die verborgenste Mitte und das Heiligtum im Menschen, wo er allein ist mit Gott, dessen Stimme in diesem seinem Innersten zu hören ist” (GS 16).

Reue und Vorsatz
Die Reue ist eine wesentliche Voraussetzung aller Umkehr und Buße. Es ist Gottes Geist, der diese Reue bewirkt. Im Licht der Güte Gottes tut mir leid, was misslungen ist, was anderen und mir selbst geschadet hat. Scham und Angst vor dem Urteil der Menschen oder Furcht vor anderen äußeren Folgen der Sünde allein machen die Reue noch nicht vollkommen. Aus der Reue erwachsen dann der Wunsch und die Entschiedenheit, mein Leben neu am Willen Gottes auszurichten und mich mit meinen Nächsten zu versöhnen. Mit einem konkreten Vorsatz will ich mein Leben neu orientieren und dem Evangelium gemäß gestalten.

Bekenntnis der Sünden
Wenn ich meine Sünden bekenne, stehe ich zu meiner Verantwortung für mein Denken, Reden und Handeln. Die schuldhafte Situation bleibt nicht im Dunkel, sondern wird zur Sprache gebracht und ins Licht des Evangeliums gehoben. Allein schon das Aussprechen der Schuld hat eine befreiende Wirkung und erleichtert die Versöhnung mit anderen. Das Bekenntnis hilft, meine eigenen Grundeinstellungen und ethischen Maßstäbe vor Gott zu überprüfen.

Lossprechung und Vergebung
Im Sakrament der Buße und der Versöhnung begegnet mir der heilende und versöhnende Herr, der durch den Dienst der Kirche spricht und handelt. Die Lossprechung (Absolution) durch den Priester bewirkt die Vergebung und Verzeihung der Sünden.

Bußwerk
Ausdruck des dankbaren Glaubens an die von Gott geschenkte Versöhnung und der Bereitschaft zur Einübung einer neuen Lebenspraxis ist das Bußwerk. Es soll der Eigenart der Sünden entsprechen und dem von Gott geschenkten Neubeginn eine konkrete Gestalt verleihen. Es kann in Gebet, Almosen und Fasten, im Dienst am Nächsten und in Werken der Barmherzigkeit bestehen.

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